Räume öffnen, Dialoge ermöglichen

Editorial

Jedes Jahr veröffentlicht ›The Economist‹ einen Demokratieindex, der den Grad der Demokratie in 167 Ländern der Erde misst. Kriterien sind u. a. freie Wahlen, die Funktionsweise der Regierung, Möglichkeiten der politischen Teilhabe und Bürgerrechte. Heute leben lediglich 4,5% der Weltbevölkerung in sogenannten ›vollständigen‹ Demokratien (2014: 12,5%). Und das gerade einmal in 19 Ländern weltweit (2014: 24). Die USA wurden 2016 erstmals als ›unvollständige‹ Demokratie herabgestuft.

Wer die Bevölkerungszahlen der vollständigen Demokratien addiert, kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Jeder dritte Mensch in einer solchen Demokratie lebt in Deutschland.

Es hat den Anschein, als sei vielen diese Selbstverständlichkeit gleichgültig geworden, eingewöhnt – ist halt so.

Wir haben das Privileg, zu einer Minderheit derer zu gehören, die in einer offenen Gesellschaft, in einer liberalen, stabilen Demokratie leben dürfen.

Aber wenn nicht alle Anzeichen täuschen, erleben wir ein neues Unbehagen in der Demokratie. Es mehren sich Stimmen, welche die Funktionsfähigkeit unseres parlamentarischen Systems vor dem Hintergrund vielfältiger globaler Herausforderungen und europäischer Koordinierungszwänge in Zweifel ziehen.

Sicher: Demokratie ist anstrengend und einiges läuft nicht wirklich rund. »Um jedoch die politische Freiheit zu verlieren, genügt es, sie nicht festzuhalten, und sie entflieht.« Wenn es stimmt, was Alexis de Tocqueville bereits Anfang des 19. Jahrhunderts angemahnt hat, dann haben wir Freiheit, Liberalität und Demokratie nie ›sicher in der Tasche‹.

Sie erfordern unsere immer erneuten Bemühungen, wenn sie nicht verloren gehen sollen. Und sie erfordern ein erheblich größeres »Selbst-, Fremd- und Zukunftsvertrauen als ›Produktivfaktoren‹ bei der Lösung ökonomischer und sozialer Probleme« (Gesine Schwan).

Selbst-, Fremd- und Zukunftsvertrauen der Menschen können in Bildungsprozessen unterstützt, eingeübt, erprobt und erfahren werden. Selbst-, Fremd- und Zukunftsvertrauen erwachsen auch aus der Entwicklung, Entfaltung und Erfahrung der Gesamtheit menschlicher Potenziale, seiner intellektuellen, emotionalen, spirituellen, schaffenden und künstlerisch-ästhetischen Bedürfnisse. Der allseits gebildete Mensch – so meine hoffende Überzeugung – wird die Freiheit festhalten, damit sie nicht entflieht.

Themenwechsel: Wir haben für Sie 23 Gästezimmer rundum renoviert. Nachdem jedes Zimmer bis Sommer 2017 gut 5.000 Gäste beherbergt hat, war es Zeit, von altem Charme Abschied zu nehmen. Die Frische des Neubaus hat nun auch im Bestand Einzug gehalten. Davon können Sie sich bei Ihrem nächsten Besuch in Bad Bederkesa überzeugen oder Sie klicken unseren Imagefilm auf der neuen Homepage an.

Und noch eine Hausmitteilung: Kai Darnedde ergänzt als Verwaltungsleiter das Kollegium im Ev. Bildungszentrum.

Mit dem vorliegenden Programm laden wir Sie herzlich zur Teilnahme an unseren Seminaren, Kursen und Tagungen ein und begrüßen Sie gern in unserem Bildungszentrum, dem Kompetenzzentrum und im Kloster Neuenwalde.

Dr. Jörg Matzen
Leiter des Ev. Bildungszentrums
Bad Bederkesa